Martin Güll warnt vor Zerstörung unserer Hausarztversorgung durch FDP-Minister Rössler

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Landtagsabgeordneter Martin Güll: „Rösslers Gesetzentwurf will die Hausarztverträge in Bayern abschaffen und gefährdet damit die hervorragende Hausarztversorgung auf dem Land”

Hart ins Gericht mit dem Gesetzentwurf der schwarz-gelben Bundesregierung zur Gesundheitsreform ging der Dachauer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Güll bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Ist die hausärztliche Versorgung auf dem Land in Gefahr?“. Gesundheitsminister Rössler (FDP) stelle die in Bayern sehr erfolgreichen Hausarztverträge in Frage und gefährde damit auch die hausärztliche Versorgung im Landkreis Dachau. Als Gesprächspartner auf dem Podium hatte der SPD-Ortsverein Hilgertshausen-Tandern den lokalen Hausarzt Dr. Albrecht Roß, den Internisten Dr. Rainer Steinhard vom Zentrum für Innere Medizin Dachau (ZID) und Helmut Buchner von der AOK Bayern eingeladen. Unter der Moderation von SPD-Kreischef Martin Güll diskutierte auch der Hausärztevertreter Dr. Wolfgang Krombholz mit, der extra aus dem Landkreis Erding angereist war.

Nicht nur die hausärztliche Präsenz auf dem Land sieht Martin Güll in Gefahr, son-dern das ganze Gesundheitssystem. Beschlossen seien ein Anstieg der Krankenversicherungsbeiträge von 14,9 auf 15,5 Prozent, wobei der Arbeitgeberanteil bei 7,3 Prozent gleich bleibt, Zusatzbeiträge mit fraglichem Ausgleich und damit die versteckte Einführung der Kopfpauschale, keine Sachleistung mehr, sondern Vorkasse, also Arztleistung gegen Rechnung. „Die Vorhaben der schwarz-gelben Bundesregierung sind katastrophal“, kritisierte der SPD-Landtagsabgeordnete.

Vor rund sechzig Gästen im Gasthaus Fottner in Thalmannsdorf (Gemeinde Hilgert-shausen-Tandern) stand aber die hausärztliche Versorgung im Landkreis Dachau im Mittelpunkt der Diskussion. „Wir haben momentan die beste ärztliche Versorgung der Welt. Die Hausärzte vor Ort kennen über die Jahre hinweg ihre Patienten. Auch die Vorsorge funktioniert bestens“, hielt Rainer Steinhard ein Plädoyer für die Beibehaltung der derzeitigen Hausarztstrukturen. “Auf der Mikroebene arbeiten Fachärzte mit Hausärzten eng zusammen, deswegen ist die Qualität der Leistung hoch.“

Helmut Buchner von der AOK Bayern bestätigte, dass dies auch für die Krankenkas-sen von Vorteil ist, denn mit der hausarztzentrierten Versorgung werden Doppeltun-tersuchungen von Patienten vermieden. Buchner: „Die Versicherten haben immer einen direkten Ansprechpartner, bei denen auch alle Untersuchungsergebnisse ge-sammelt werden. Genau so soll es sein und so soll es bleiben.“ Der Hausarzt müsse über Überweisungen nach sorgfältiger Diagnose entscheiden. Deshalb wollen wir von der AOK die mit dem Hausarztverband ausgehandelten Hausarztverträge behalten“, betonte Buchner.

Dass dies so nach Rösslers Gesundheitsreform nicht bleiben werde, bestätigten so-wohl der Hilgertshauser Hausarzt Albrecht Roß als auch der Vertreter des Hausarzt-verbands Wolfgang Krombholz. Dr. Roß beruhigte die Hilgertshauser Bürger zwar, dass er „in jedem Fall noch zehn Jahre“ Hausarzt bleiben wolle, wenn es die eigene Gesundheit zulasse, wofür er großen Applaus bekam. Roß sagte aber auch ganz entschieden: „Auf Grund politischer Veränderungen sowie der demografischen Ent-wicklung der Gesellschaft kommt die hausärztliche Versorgung vor allem auf dem Land in eine Notsituation.“ Durch die verschiedenen Reformen sei eine große Ver-unsicherung eingetreten, weswegen der Nachwuchs vor allem auf dem Land aus-bleibe und viele jungen Kolleginnen und Kollegen lieber als Angestellte in Ärztezentren oder gleich ins Ausland gingen. Diese Entscheidung sei nachvollziehbar. „Ich kann alle Berufseinsteiger gut verstehen: Nicht nur die Höhe der Honorare ist bedeutend, sondern auch die Kalkulierbarkeit der Arbeitsbedingungen“, ergänzte Güll den Sachverhalt. Entscheidend für eine gute hausärztliche Versorgung sei, so das Podium übereinstimmend, dass die Nähe zum Patienten verlässlich gewährleistet sei. Ob dies durch eine zentrale Versorgung über medizinische Versorgungszentren aus der Kreisstadt, die die Lücke fehlender Hausärzte schließen könnten, immer der Fall sei, bezweifelte der Ärztevertreter Krombholz. „Die Ärzte dort werden wie in einem Unternehmen eingestellt und sind nicht freiberuflich. Und Unternehmen sind meist nur profitorientiert. Ich habe nichts gegen Aktien, aber primäre Versorgungsnotwendigkeiten können nicht dem Profit unterliegen.“ Außerdem leide der persönliche Bezug. „Jedes mal eine andere Nase“, so Krombholz.

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